Keltenbaumweg

Juni 8, 2026

St. Georgen im Attergau - Keltenbaumweg

Am Kreisverkehr der Umfahrungsstraße von St. Georgen im Attergau weist ein nicht zu übersehendes Schild auf den Parkplatz zum Keltenbaumweg hin. Auch wenn der Parkplatz im Vergleich zum Schild, relativ klein ausfällt, so kann man zumindest den Startpunkt nicht verfehlen.

Beim Aussteigen allerdings verleitet die idyllische Straße, die an einer Kapelle unter einer Linde zu einem entfernten Gehöft führt, zur Wegführung, doch dieser Weg ist nicht empfehlenswert, da er teilweise nicht mehr als Weg erkennbar ist und man sich durch hohes Gras durcharbeiten muss, bis man zur richtigen Wegführung gelangt.

Mein Tipp: Es lohnt sich die kleine Kapelle unterm Lindenbaum und das Willkommensschild von St. Georgen im Attergau gegenüber dem wunderschönen (Getreide)Feld anzusehen, dann jedoch wieder umzudrehen und am Parkplatz vorbei den Kreisverkehr an der ersten Abzweigung Richtung Thalham zu verlassen.

Von dort führt dann ein schmaler Fußweg rechts weg auf den Kogl.

Der alte Weg durchs hohe Gras, der einem Trampelpfad gleicht, führt entlang einer Steinmauer zum Wiesenweg, der aus Thalham heraufkommt.

Dort, am Fuße des Kogls, treffen beide Wege, der Waldweg über das Gehöft und der Wiesenweg aus Thalham aufeinander. Markant ist an dieser Stelle ein Ruhe- und Aussichtsplatz mit einem Bankerl, von wo aus man einen wunderschönen Ausblick auf St. Georgen im Attergau genießen kann.

Verwirrend ist an dieser Stelle die Wegmarkierung, die just auf den alten Weg zurückführt. Doch zum Gehen gehört hin und wieder das Suchen des richtigen Weges – ein tiefes Bild für unser Leben, in dem es eben auch manchmal eine nicht so klare Wegführung gibt. Wir suchen dann nach vertrauten gangbaren Methoden, die vor uns schon Menschen erprobt haben, die sich bewährt haben, gleichsam die Trampelpfade des Lebens, die uns leise zuflüstern: „Mensch, hier bist du genau richtig.“

Nach der kurzen Rast am Aussichtsplatz steigt der Weg steil bergauf, bis man zur ersten Informationstafel kommt. Dort wird kurz und knapp – jedoch sehr interessant – über unsere Vorfahren, die Kelten, berichtet.

Wusstest du, dass jene Menschen, die wir heute Kelten nennen, nicht erst in unser Land einwanderten, sondern die Nachfahren der dort ansässigen Bevölkerung waren – allerdings zu einer Zeit, die wir historisch als „Laténezeit“ bezeichnen?

Nach dem kurzen steilen Wegstück führt der Weg nach links auf einen Waldweg. Auf einer Schautafel über die Birke findet sich der interessante Hinweis, dass die Birke auch als „Superkleber der Urzeit“ bezeichnet wurde, denn der aus der Rinde gewonnene Birkenteer wurde schon in vorgeschichtlicher Zeit als Klebstoff, aber auch zum Abdichten von Gefäßen und Booten verwendet. Das gebundene Birkenreisig wurde aber auch zum Binden von Besen verwendet und der Saft des Baumes zum Herstellen von Heilmitteln und Getränken.

1500 Jahre vor Christus in der so genannten Mittelbronzezeit, wird in Hallstatt, dem ältesten Salzbergwerk der Welt, Salz abgebaut. Parallel dazu spielte aber auch das Eisen als Werkstoff eine bedeutende Rolle. Das abgebaute Eisenerz wurde durch Verhütten in Eisen umgewandelt und konnte erst nach der Reinigung in die entsprechende Form gebracht werden. Für alle diese Arbeitsprozesse war eine große Menge an Holz und Holzkohle erforderlich.

An einer weiteren Schautafel werden zudem die regionalen Fundorte der Laténezeit dargestellt.

Nun geht es weiter entlang von uralten Bäumen. Im Laufe der Jahre wurde durch Verwitterung das Erdreich an manchen Stellen weggespült, sodass die Wurzeln der Bäume freigelegt wurden und sichtbar sind. Beeindruckend, wie sich der tonnenschwere Baum hält, obwohl er nicht mehr ausreichend im Boden verankert ist.

Erstaunlich, dass ein Ameisenvolk bis zu 5000 Königinnen haben kann, deren Leben über 20 Jahre dauert, und, dass ein großes Ameisenvolk im Laufe eines Jahres 28kg Insekten und 200 Liter Honigtau aufnehmen kann.

Bemerkenswert, dass Ameisen mehr als 150 Pflanzenarten im Wald verbreiten können, Blattläuse melken können und ihr Jagdgebiet eine Fläche bis zu einem Hektar umfassen kann.

Diese interessanten Informationen kann ich den Schautafeln entlang des Weges entnehmen. Es ist unglaublich lehrreich und meine Gedanken beschäftigen sich beim Weitergehen damit. Mit großem Respekt achte ich darauf, dass mir keine Ameise unter die Schuhe kommt.

An einer kleinen Waldlichtung entdecke ich ein Fernrohr, das ich drehen und in beiden Richtungen verwenden kann. Am Baumstamm, an dem das Fernrohr befestigt ist, befinden sich Schablonen von Waldtieren, nach denen ich suchen kann. Wenn ich es richtig einstelle, entdecke einen Fuchs, ein Wildschwein, einen Feldhasen, einen Dachs und ein Reh. Was für eine großartige Idee.

Wieder ein kleines Stück weiter gelange ich zur nächsten Schautafel. Daraus entnehme ich, dass die Menschen in der Eisenzeit bereits auf eine lange Tradition in der Herstellung von Textilien und Gewändern zurückgreifen konnten. Deshalb war es ihre Aufgabe dieses Handwerk zu perfektionieren.

Textilien wurden entweder aus Flachs (Leinen) oder Schafwolle hergestellt und durch die unterschiedlichen Färbungen (vorwiegend durch das Verwenden von Pflanzen) zu prunkvollen Gewändern gestaltet. Ergänzend dazu wurden die unterschiedlichen Formen von Schmuck kreiert.

Nicht weit von dieser Schautafel entfernt, öffnet sich der Blick ins Land hinein, wobei man hier von oben die Baumallee erkennen kann, die uns zum Endpunkt des Keltenbaumweges führen wird.

Neben der Form des Blattes, der Früchte und der Rinde gibt es immer auch sehr informative Texte über die Besonderheit jedes einzelnen Baumes.

Zahlreiche Schautafeln der unterschiedlichen Bäume finden sich entlang des Weges. Mit einigen davon möchte ich dich neugierig machen:

Die Fichte: Wusstest du, dass ein ganzer, länglicher Zapfen, den du im Wald findest, immer ein Fichtenzapfen ist?

Die Birke: Wusstest du, dass der aus der Rinde gewonnene Birkenteer schon in vorgeschichtlicher Zeit als Klebstoff und zum Abdichten von Gefäßen und Booten verwendet wurde?

Die Hainbuche: Wusstest du, dass das Holz der Hainbuche das härteste europäische Nutzholz liefert und deshalb der Baum auch „Eisenbaum“ genannt wird?

Die Linde: Wusstest du, dass die Linde als „Lignum sacrum“, als heiliges Holz bezeichnet wurde und, dass unter der Linde früher die Rechtsprechung stattfand?

Nachdem der Weg auf den Kogl kontinuierlich angestiegen ist, habe ich nun das Vogl Anna Platzerl erreicht. Von den Einheimischen wird es liebevoll auch der „Glücksplatz“ bezeichnet. Sie war unter anderem eine Mundartdichterin und schrieb das Lied „I woaß a Platzerl wunderschön“, das zur Attergau Hymne wurde.

Unter: https://atterculture.at/kelten/4 kann über Anna Vogl nachgelesen werden und weiter unten im Text findet sich das Audio zur Attergau Hymne.

Hier bieten Bänke die Möglichkeit eine Rast einzulegen und den Ausblick auf St. Georgen im Attergau zu genießen oder auf der anderen Seite des Kogls ins Tal am Fuße des Berges zu blicken.

Vor meinen Füßen eröffnete sich eine Margeritenwiese und das Gezwitscher der Vögl lässt mich ruhig, still und tief dankbar werden. Was für ein schönes Land, in dem wir leben!

Der Weg führt mich nun den Kogl bergab, vorbei an Quiz-Tafeln über die Kelten, alte Geschichten, die man einander erzählte und an einem kleinen Holzhäuschen, an dem man interaktiv sich mit Bäumen, ihren Früchten und Blättern ebenfalls in Form eines Quizs beschäftigen konnte.

Am Fuße des Kogls finde ich eine weitere Schautafel zum Thema „Woran die Kelten glaubten“.

Wusstest du, dass die Kelten an viele Götter glaubten, von denen manche als Dreiheit verehrt wurden?

Diese Dreiheit findet sich in der Philosophie des Christentums wieder. Christinnen und Christen glauben an einen Gott, der sich in den drei unterschiedlichen Personen, nämlich Vater, Sohn und Heiliger Geist zeigt. Es liegt an uns Menschen, so der Glaube, dies zu entdecken.

Nicht weit entfernt finde ich eine weitere Schautafel, auf der die Praxis der Landwirtschaft zur Keltenzeit beschrieben wurde.

Interessant ist für mich, dass die Rinder der Eisenzeit damals wesentlich kleiner waren als sie es heute sind und, dass sie dennoch hervorragende Milchlieferanten waren.

Wusstest du, dass das Huhn in unseren Breiten zum ersten Mal in der Hallstattzeit nachgewiesen wurde?

Der schmale Wiesenweg mündet dann in eine asphaltierte Straße, die nach einigen Metern wieder in einen schmalen Wiesenweg entlang einer kurzen Baumallee führt. Das hohe Gras entlang des Weges lässt die Abzweigung nicht sofort erkennen. Deshalb ist es sinnvoll sich an der Allee rechts der Straße zu orientieren.

Auch dieser schmale Wiesenweg führt direkt in eine weiter unten gelegene asphaltierte Straße, bevor er einige Meter weiter nach links in einen Waldweg Richtung Bahnhof abzweigt. Ein unscheinbarer Abenteuerspielplatz mitten im Wald lässt mich an die Abenteuerspielplätze zu meiner Zeit erinnern. Die Spielgeräte haben sich nicht wesentlich verändert, es gab etwas zum Klettern, zum Schwingen, zum Rutschen und zum Drehen. Möglicherweise werden die Geräte dazu heute attraktiver konstruiert, aber die Bewegung und die Freude an der Bewegung, die damit verbunden ist, sind gleich.

Am Ende des kurzen Weges durch den Wald überquere ich eine weitere asphaltierte Straße und bleibe geradeaus ca. 200 m am Schotterweg bis zu einer kleinen Kreuzung. Dort biege ich in einem leicht spitzen Winkel nach rechts ab. Dieser Schotterweg führt mich geradewegs vorbei am Schloss Kogl, in dem heute die Forstverwaltung Kogl untergebracht ist. Leider wird man mehrmals darauf hingewiesen, dass es verboten ist das Gelände zu betreten, sodass ich, ohne zu verweilen, den Weg um das Schloss herum nahm und weiterzog. Das kleine Gässchen mündet dann in eine Hauptstraße, die ich nach ca. 100 m rechts verlasse und von dort in die lange Baumallee einbog. Ich muss sagen, ich bin sehr froh, wieder einen Waldboden und ein ruhigeres Wegstück entlang der hohen Bäume genießen zu können. Denn die Geschwindigkeit des Fußgängers/ einer Fußgängerin und jene von vorbeirasenden Autos auf einer Landstraße wirkt bedrohlich.

Gleichzeitig erinnert mich dieses kurze, hektische, lärmende und im Sog der vorbeifahrenden Autos bedrohliche Szenario an so manchen Abschnitt in meinem Leben. In manchen Phasen unseres Lebens verstehen wir oftmals unsere eigenen Worte nicht mehr, wir werden mitgerissen vom Sog der Zeit. Da braucht es dann Ankerpunkte, um wohlbehütet in ruhigere Bahnen zu kommen und Wegführungen der Regeneration, um die Balance der Lebensführung nicht zu verlieren.

Am Ende der langen Baumallee, noch bevor das asphaltierte Straßenstück anfängt, biege ich rechts ab und nehme den Schotterweg Richtung Kreisverkehr, wo sich mein Ausgangspunkt befindet. Jetzt gilt es nur noch aufzupassen, den Kreisverkehr so zu betreten und zu verlassen, dass es weder gefährlich noch verkehrsbehindernd ist.

Deshalb habe ich beschlossen, in den Kreisverkehr nach rechts einzusteigen, eine Straße zu überqueren, ehe ich den Kreisverkehr an der zweiten Straße wieder verlassen kann.

Eine interessante Reise durch die Vergangenheit geht damit zu Ende. Viele interessante Eindrücke und bemerkenswerte Naturerscheinungen nehme ich dankbar neben der sportlichen Bewegungsfreudigkeit mit.

Dieser Weg ist für Jung und Alt sehr zu empfehlen. Er ist allerdings nicht barrierefrei.

Text und Bericht: Andrea Enzinger

Die Informationen über die Kelten wurden aus den Informationstafeln entlang des Weges übernommen und paraphrasiert.